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Grenzen setzen!

 

Auch wenn es pa­ra­dox klingt, ge­ra­de jetzt in der Pan­de­mie emp­feh­len wir: Gren­zen set­zen! Warum? Weil ei­ni­ge Men­schen uns zu sehr „auf die Pelle rü­cken“. Und dies mei­nen wir im über­tra­ge­nen Sinne. Bei­spie­le er­le­ben wir in un­se­ren Be­ra­tun­gen und Coa­chings ge­ra­de zu­hauf: Der Vor­ge­setz­te, der aus lau­ter „Angst“, dass man im Ho­me­of­fice fau­lenzt, den Workload auf ein un­ver­schäm­tes Maß an­hebt. Oder die Che­fin, die unter dem Deck­män­tel­chen „will nur mal schau­en, wie es Ihnen geht“ sechs­mal am Tag per Video chat­ten will. Der Part­ner, der per­ma­nent wich­ti­ge Video-Calls ab­hält und des­halb keine Zeit hat, um beim Ho­me­schoo­ling zu un­ter­stüt­zen. Hier müs­sen Gren­zen ge­setzt wer­den. An­sons­ten gerät man mas­siv unter Druck und die Folge: Man wird nie­man­dem mehr ge­recht, am we­nigs­ten sich selbst.  „Über­zo­ge­ne For­de­run­gen, un­ver­schäm­te Bit­ten, in­to­le­ran­tes Ver­hal­ten an­de­rer – es fühlt sich zwar nicht gut an, aber den Be­trof­fe­nen ist oft nicht be­wusst, dass sie die­ses Ver­hal­ten nicht ak­zep­tie­ren müs­sen. In dem Be­stre­ben, es jedem recht zu ma­chen, fin­den sie keine Lö­sun­gen, Gren­zen zu set­zen und sich dabei gut füh­len zu kön­nen. Wir er­ar­bei­ten ge­mein­sam mit un­se­ren Kli­en­ten Wege aus die­sem Teu­fels­kreis“, be­schreibt Exe­cu­ti­ve Coach Karin Ba­cher, die diese Mus­ter bei allen Ge­schlech­tern ge­ra­de sehr deut­lich er­lebt.

Ein ge­sun­des Ver­hält­nis zu Nähe und Di­stanz wäre, es hin­zu­krie­gen, seine zur Ver­fü­gung ste­hen­de Zeit in Ar­beits­zeit, Zeit mit der Fa­mi­lie oder Freun­den und Zeit nur für sich selbst ein­zu­tei­len. Diese Selbst­für­sor­ge, Zeit nur für sich selbst ein­zu­for­dern – von sich selbst und vor allem von an­de­ren, sei es der ei­ge­ne Part­ner oder die Kin­der –, fällt vie­len schwer. Tief ver­wur­zel­te Glau­bens­sät­ze, die uns oft nicht be­wusst sind, hin­dern uns daran: „Sei stets freund­lich und hilfs­be­reit“, „Ich muss doch meine Pflicht er­fül­len“, „Ich will eine tolle Mut­ter/ein tol­ler Vater sein“ usw.

In un­se­ren Coa­chings er­folgt immer zu­nächst eine Si­tua­ti­ons­ana­ly­se. Hier stel­len wir eine Me­tho­de vor, in der man im ers­ten Schritt ana­ly­siert, wel­che Per­so­nen wel­che Gren­zen bei einem selbst über­schrei­ten. Dauer: 20–30 Mi­nu­ten.

Alles Wei­te­re dann gerne per­sön­lich, Ter­mi­ne hier an­fra­gen: team@karinbacher-consultants.de

 

Me­tho­de Grenz­ver­let­zung - be­nö­tig­te Un­ter­la­gen: far­bi­ge Krei­se in un­ter­schied­li­cher Größe (aus dem Mo­dera­ti­ons­kof­fer oder ge­bas­telt von den Kin­dern), einen sehr gro­ßen Kreis. (Im Coa­ching ist es sehr hilf­reich, kom­ple­xe Zu­sam­men­hän­ge zu vi­sua­li­sie­ren. Wich­tig ist, dass man ab­so­lut ehr­lich zu sich selbst ist. Soll­ten in die­ser Übung be­reits in­ne­re Sper­ren wahr­ge­nom­men wer­den, bitte externe Un­ter­stüt­zung holen.)

 

Ab­lauf:

1.    Runde

Die Krei­se stel­len Per­so­nen dar. Der grö­ß­te Kreis ist man selbst (Coa­chee); er wird in die Mitte des Rau­mes/des Ti­sches ge­legt. Be­schrif­ten mit „Ich“ oder dem ei­ge­nen Vor­na­men. Die Far­ben kön­nen für ein Clus­ter ver­wen­det wer­den: bspw. Rot für Fa­mi­lie, Grün für Freun­de, Blau fürs be­ruf­li­che Um­feld, Gelb für Nach­barn, Weiß für Men­schen aus dem Ver­ein, Eh­ren­amt …. Auf die ein­zel­nen Krei­se schreibt man nach und nach den je­wei­li­gen Namen einer Per­son.

Nun stellt man sich z. B. fol­gen­de Fra­gen, um her­aus­zu­fin­den, wie nah einem die Per­son tat­säch­lich kommt:

  1. Wie sehr greift diese Per­son in mei­nen per­sön­li­chen Be­reich ein – also wie nah kommt sie mir?
  2. Über­schrei­tet die Per­son meine Gren­ze/n?
  3. Wie viel Luft bleibt mir noch?
  4. Wie weit ist die Per­son über meine Gren­zen ge­gan­gen?
  5. Was emp­fin­de ich dabei?

Nach­ein­an­der legt der Coa­chee die sym­bo­li­sier­ten Per­so­nen ent­spre­chend nah an/um sei­nen ei­ge­nen Kreis. Dabei darf der an­de­re Kreis auch auf dem ei­ge­nen lie­gen, di­rekt an­gren­zen oder teil­wei­se auf dem ei­ge­nen lie­gen – ganz so, wie es sich an­fühlt. (Wir emp­feh­len, vom Er­geb­nis ein Foto zu ma­chen.)

Bei­spie­le von Ver­hal­tens­mus­tern, die Gren­zen über­schrei­ten kön­nen (hier sind keine Ein­zel­fäl­le ge­meint):

  • Die Freun­din ruft immer zur Abend­essens­zeit an, um zu quat­schen.
  • Der Vor­ge­setz­te er­war­tet grund­sätz­lich Mehr­ar­beit.
  • Der Ver­eins­vor­stand um­wirbt mit den Wor­ten: „Du kannst doch am bes­ten von uns or­ga­ni­sie­ren, mach doch auch dies­mal …“
  • Die El­tern er­war­ten An­we­sen­heit zum Sonn­tags­bra­ten.
  • Der Hund der Toch­ter wird am Wo­chen­en­de ab­ge­ge­ben.
  • Die Enkel oder Nich­ten, Nef­fen sind gerne am Abend da.
  • Der Freund plant Sie für den pri­va­ten Haus­bau ein.
  • Der Part­ner/die Part­ne­rin will, dass man den glei­chen Sport macht.
  • Die Freun­din er­war­tet ein of­fe­nes Ohr für ihre Pro­ble­me.

 

2.    Runde

Nun legt der Coa­chee fest, wie viel Frei­raum, wie viel Pri­vat­sphä­re er haben will. Er sor­tiert die Kar­ten nach den Ge­sichts­punk­ten: Wer darf mir wie nahe kom­men? Wo ist meine Kom­fort­zo­ne? Wer soll wie nahe bei mir lie­gen? Wen will ich wei­ter­hin eng bei mir haben – also bei wem fühlt es sich gut an?

Diese Fra­gen hel­fen dabei:

  1. Wie eng möch­te ich in Zu­kunft mit die­ser Per­son leben, meine Zeit ver­brin­gen …
  2. Was will ich zu­las­sen? Was tut mir gut?
  3. Will ich über­haupt wei­ter­hin mit die­ser Per­son zu tun haben?
  4. Wen will ich auf Ab­stand hal­ten?
  5. Wel­che Gren­zen setze ich ab so­fort?

 

3.    Er­geb­nis

Nach die­ser Me­tho­de soll­te dem Coa­chee kla­rer sein, wel­che Be­zie­hun­gen wie mit­ein­an­der zu­sam­men­hän­gen und wem man bis­her er­laubt hat, seine Gren­zen zu über­schrei­ten. Jetzt gilt es, das unter 2. ent­stan­de­ne neue Be­zie­hungs­ge­flecht mit Leben zu fül­len.

Ge­mein­hin be­ginnt hier der schwie­ri­ge Teil, der in einem pro­fes­sio­nel­len Coa­ching be­glei­tet wer­den kann.

Homeoffice = Kontrollverlust?

Karin Bacher Consultants . Homeoffice=Kontrollverlust

 

Die neue, durch die Pan­de­mie­ent­wick­lung mehr oder we­ni­ger auf­ge­zwun­ge­ne Ar­beits­kul­tur lässt nur noch wenig Raum für einen tra­di­tio­nel­len Füh­rungs­stil. Das Ar­bei­ten von zu Hause be­trach­ten viele Füh­rungs­kräf­te als be­denk­lich, da ihre Mit­ar­bei­ter re­mo­te und damit ohne di­rek­te Ein­griffs­mög­lich­keit von­sei­ten der Füh­rungs­kraft ar­bei­ten. Das viel zi­tier­te und wich­ti­ge Ver­trau­en in Mit­ar­bei­ter wird auf eine harte Probe ge­stellt.

Dem Wech­sel von der Bü­ro­ar­beit ins Ho­me­of­fice, was zu Be­ginn des ers­ten Lock­downs noch mit ei­ni­ger Be­geis­te­rung auf­ge­nom­men wurde – nicht zu­letzt des­halb, weil es trotz der tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen auch ganz gut funk­tio­nier­te –, wurde nun ein Dämp­fer ver­setzt. Nach lan­gen Mo­na­ten des Vi­deo­con­fe­ren­cings macht sich die Be­fürch­tung breit, dass sich mit einer ver­grö­ßer­ten bis dau­er­haf­ten Re­mo­te-Ar­beit auch grö­ße­re kul­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen im Be­trieb ein­schlei­chen, die sich kaum mehr kon­trol­lie­ren und be­gren­zen las­sen.

Ei­ner­seits ist eine ge­wis­se Er­mü­dung er­kenn­bar an­ge­sichts der doch über­wie­gend neuen Si­tua­ti­on, die von vie­len Füh­rungs­kräf­ten gerne wie­der rück­gän­gig ge­macht wer­den würde. An­de­rer­seits hat das Ver­schwim­men der Gren­zen zwi­schen Beruf und Frei­zeit – mit dem Zu­ge­winn vor allem an zeit­li­cher Fle­xi­bi­li­tät – auch klare Vor­tei­le auf­ge­zeigt. Der klas­si­sche hier­ar­chi­sche Füh­rungs­stil steht auf dem Prüf­stand – eben­so wie das strikt nach Ab­tei­lun­gen ge­trenn­te Ar­bei­ten. Der Zu­ge­winn an Au­to­no­mie in über­grei­fen­den Teams hat durch­aus po­si­ti­ve Ef­fek­te er­ge­ben und führ­te in man­chen Un­ter­neh­men sogar zu spür­bar er­höh­tem En­ga­ge­ment der Mit­ar­bei­ter.

 

Los­las­sen fällt man­chem schwer

Gleich­wohl ist der emp­fun­de­ne Kon­troll­ver­lust bei Füh­rungs­kräf­ten das vor­herr­schen­de Thema, was auch un­se­re Er­fah­run­gen mit Kun­den wi­der­spie­gelt. Ge­ra­de Un­ter­neh­men, die bis­her einem be­vor­ste­hen­den Wan­del der Ar­beits­welt wenig auf­ge­schlos­sen ge­gen­über­stan­den, sehen sich plötz­lich vor ge­wal­ti­gen Auf­ga­ben. Aus­nah­men sind hier Un­ter­neh­men wie z. B. aus dem IT-Be­reich, die schon immer viel re­mo­te ge­ar­bei­tet haben und sich grund­sätz­lich durch eine an­de­re Ar­beits­kul­tur aus­zeich­nen.

Doch eine Trans­for­ma­ti­on zu einer neuen Ar­beits­kul­tur kann nicht gänz­lich un­vor­be­rei­tet und schon gar nicht au­to­ma­tisch ab­lau­fen. Eine Vor­aus­set­zung dafür ist ein vor­bild­haf­tes Ver­hal­ten durch Füh­rungs­kräf­te mit aus­ge­präg­ter tech­no­lo­gi­scher wie auch so­zia­ler Kom­pe­tenz. Zudem braucht es eine sys­te­ma­ti­sche Be­glei­tung – Struk­tu­ren, die in den meis­ten Un­ter­neh­men bis­her nicht exis­tie­ren.

Hier ist der Kern des Pro­blems: Viele Un­ter­neh­men un­ter­schät­zen eine gut mo­de­rier­te Ein­füh­rung neuer Füh­rungs­leit­sät­ze und damit eine kon­ti­nu­ier­li­che Ver­än­de­rung der Un­ter­neh­mens­kul­tur. Wenn das Ho­me­of­fice Be­stand­teil des „New Nor­mal“ sein soll, braucht es Ge­brauchs­an­wei­sun­gen und Spiel­re­geln, die ei­ner­seits all­ge­mein gel­ten kön­nen, je­doch für jedes Un­ter­neh­men in­di­vi­du­ell für des­sen spe­zi­fi­sche Be­dürf­nis­se ent­wi­ckelt wer­den soll­ten.

 

Leit­plan­ken für das New Nor­mal

Zu den ge­ne­rel­len An­for­de­run­gen ge­hö­ren klare struk­tu­rel­le Vor­ga­ben bei On­line-Mee­tings, wie zum Bei­spiel die Ziel­set­zung, ob sie der In­for­ma­ti­on, der Dis­kus­si­on oder der Ent­schei­dungs­fin­dung die­nen sol­len. Zu den ge­ne­rel­len An­for­de­run­gen ge­hört eben­falls, dass beim Weg­fall von Prä­senz­mee­tings die so­zia­le Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht zu kurz kom­men darf. An­statt der üb­li­chen in­itia­len Small-Talk-Run­den kom­men Vi­deo­kon­fe­renz­run­den meist di­rekt zum Thema, „zur Sache“, wobei oft das mensch­li­che Mit­ein­an­der auf der Stre­cke bleibt. Wich­tig ist es des­halb, auch so­zia­le Ele­men­te in den vir­tu­el­len Ar­beits­all­tag ein­zu­bau­en, wie z. B. Pau­sen, vir­tu­el­les Kaf­fee­trin­ken, in­ter­ak­ti­ves Spie­len oder einen ge­mein­sa­men Ape­ri­tif.

Ho­me­of­fice wird auch nach Co­ro­na blei­ben und ist ge­ra­de der An­fang einer viel grö­ße­ren Um­wäl­zung der Ar­beits­welt, die „di­gi­ta­le Füh­rung“ braucht. Die tech­no­lo­gi­schen Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen und da­durch rei­bungs­lo­se Ab­läu­fe zu si­chern ist nur ein Teil der Her­aus­for­de­rung. Zu­frie­de­nes Ar­bei­ten, Ent­schei­den und Wohl­füh­len im New Work müs­sen prio­ri­sier­te Ziele sein.

Wir be­glei­ten den Pro­zess der Vir­tua­li­sie­rung von Zu­sam­men­ar­beit und der vir­tu­el­len Mit­ar­bei­ter­füh­rung über­ge­ord­net und geben Feed­back bis ein Best-Prac­ti­ce-Mo­dell für das Un­ter­neh­men ge­fun­den ist. team@​karinbacher-​consultants.​de

Karin Bacher Consultants
Karl-Bührer-Str. 22
D-75177 Pforzheim
Fon: +49 (0) 7231 4628 631
E-Mail: info(at)karinbacher-consultants.de

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